Meine Trainingsgrundlagen

Ich möchte heute über eine meiner Trainingsgrundlagen – „DER MOMENT“ – sprechen.

Mit diesem Beitrag will ich erreichen, dass ihr künftig sicherer mit eurem Pferd unterwegs seid und Frust im Training vermeiden könnt.

Pferde leben von Moment zu Moment und das müssen wir im Umgang mit ihnen auch tun – nicht nur zu Trainingszwecken sondern vor allem auch aus Sicherheitsgründen.

Ich betreue leider sehr viele Pferdebesitzer, die bereits den einen oder anderen schweren Unfall mit Pferden erlebt haben. Solche Unfälle prägen sowohl den Menschen wie auch das Pferd und führen meist dazu, dass bei beiden die Unbeschwertheit darunter leidet.

Ich sage: Unfälle können meist ganz vermieden werden und Frust muss nicht sein 🙂

Ein Beispiel aus meinem Trainingsalltag

Vor kurzem gab ich Marlies die erste Reitstunde. (Übrigens darf ich ihre Geschichte erzählen, um andere weiter zu bringen. DANKE MARLIES! Marlies war mit ihrem Pferd und einer Freundin auf einem Ausritt. Es war kalt und windig. Aus irgendeinem Grund bockte ihr Pferd und Marlies stürzte. Zum Glück blieb sie unverletzt.

Als ich Marlies fragte, ob ihr Pferd sich vor dem Sturz anders verhielt als gewohnt, verneinte sie. Ich fragte sie weiter, ob ihr Pferd beim Putzen und Aufsteigen ruhig war. Da erinnerte sie sich, dass ihr Pferd leicht nervös gewesen sei und nicht richtig habe stillstehen können. Dies sei sonst noch nie so gewesen. Da sie aber im Stress gewesen sei und mit den Gedanken bereits beim Ausritt, sei ihr diese Kleinigkeit nicht weiter aufgefallen. Und wenn auch; sie hätte sich wohl nichts dabei gedacht. Sie habe sich höchstens ab ihrem Pferd genervt.

Ich bin überzeugt: Wenn Marlies bemerkt hätte, dass ihr Pferd unruhig war weil es überschüssige Energie hatte und danach diese Energie vor dem Ausritt abgebaut hätte, dann wäre ihr Pferd höchst höchstwahrscheinlich nicht „ausgeflippt“.

Die meisten Unfälle passieren, weil wir kleine Zeichen übersehen. Wir leben zu wenig im Moment und sind mit den Gedanken vielfach nicht bei der Sache. Oder – was auch oft passiert – ist, dass wir es zwar erkennen, aber uns darüber aufregen. In beiden Fällen bleibt das Problem resp. die Ursache bestehen.

Weiter erlebe ich oft, dass viel Frustration im Umgang mit dem Pferd herrscht.

Wer von euch hat nicht schon einmal gedacht „mein Pferd absolvierte gestern diese Übung und hat es so super gemacht, warum schafft sie/er es heute nicht??!“ Ich kenne dies übrigens nur allzu gut 🙂

Erwartung ist der Anfang von Frustration.

Als ich vor Jahren angefangen habe mit Pferden zu arbeiten, da hatte ich immer sehr hohe Erwartungen an mich und meine Pferde. Wenn ich in den Stall ging, fuhr ich genau dort fort, wo ich am Vortag aufgehört hatte. Da ist Frust vorprogrammiert! Dein Pferd

ist – genau wie wir auch – nicht jeden Tag gleich gut drauf. Kommt noch hinzu, dass wenn wir etwas trainieren und verbessern, sich meist etwas anderes dadurch „verschlechtert“. Aber dies wiederum ist eine andere Trainingsgrundlage, welche ebenfalls sehr spannend ist 🙂

Habe keine Erwartungen. Nimm dein Pferd jeden Tag aus dem Stall und erwarte nicht, dass es dies oder jenes beherrschen wird. So lebst du im Moment und nimmst dadurch das Verhalten deines Pferdes wahr. Du bist nun in der Lage, das zu korrigieren was jetzt gerade falsch läuft und nicht stur zu trainieren, was du eigentlich geplant hättest.

Mein Tipp:

„ZURÜCK ZUM EINFACHEN“

Durchlaufe jeden Tag die Basics mit deinem Pferd. Wenn es z.B. nicht stillsteht, dann musst du es gar nicht erst satteln; wenn es während der Bodenarbeit nur zäh vorwärts geht, dann musst du gar nicht erst ausreiten; wenn dein Pferd nicht fein auf deine Hilfen reagiert, dann wird es auch nicht reagieren, wenn es darauf ankommt. Und so weiter und so fort….

Wenn ich ein junges Pferd einreite, dann erarbeite ich die Basics in schätzungsweise 2-3 Wochen. Jeden Tag beginne ich mit einem jungen Pferd wieder von Anfang an! Zu dem Zeitpunkt, an dem das junge Pferd die Basics beherrscht, kann ich die 2-3 Wochen Arbeit in ungefähr 2 Minuten abfragen. Und das sagt mir, dass dieses Pferd bereit ist, zum nächsten Schritt zu gehen. Wenn ich aber zum Beispiel bei der 4. Übung stecken bleibe, dann arbeite ich daran, bis es funktioniert – vorher gehe ich keinen Schritt weiter.

Mögliche Übungen die ich mache und die Fragen die ich mir jeden Tag dazu stelle: Geht es mir gut und kann ich mich konzentrieren? Wie geht es meinem Pferd? Ist mein Pferd im Grundzustand (überschüssige Energie abgebaut)? Ist mein Pferd auf mich fokussiert? Stresst mein Pferd etwas? Kann ich alle Gangarten und Richtungen abfragen, ohne dass ein „Knopf“ vorhanden ist? Reagiert mein Pferd fein auf die Zügel – und Beinhilfen?

Zusammen mit Marlies haben wir das Geschehene analysiert: Ihr Pferd hatte überschüssige Energie, da es im Auslaufstall nicht viel galoppiert ist. Zudem fanden wir heraus, dass ihr Pferd nicht fleissig auf ihre Vorwärtshilfen reagiert hatte. Das ist ein Zeichen dafür, dass das Pferd bocken kann, wenn man „Vorwärts“ einfordert.

Folglich hätte sich das Pferd von Marlies gelassener verhalten, wenn sie die überschüssige Energie vor dem Ausritt bei ihrem Pferd abgebaut hätte und ihrem Pferd die Hilfe für „Vorwärts“ aufs Neue gut erklärt hätte.

Ich könnte so viel mehr über dieses Thema schreiben. Aber das würde den Rahmen sprengen. Lasst mich doch wissen, wie euch dieser Beitrag im Alltag geholfen hat. 🙂

Eure Mirjam

 

Fotos by lovely Tanja Gertsch Fotografie